Haus Samaria

ein Haus für Mädchen und Frauen im Schwangerschaftskonflikt

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                                 Wie erlebt ein Kind seine Geburt?


Was geht in einem Kind vor während der Geburt?
Während der Embryonalentwicklung ist der kleine Mensch umhüllt und geborgen im Schoß der Mutter. Es ist erstaunlich, wie viele schützende Hüllen den Embryo umschließen:
Die innerste Umhüllung ist das Fruchtwasser, in welchem der Fötus während der ganzen Schwangerschaft schwimmt. Es stellt ein wunderbares, allseitiges Kissen dar, so daß das Kind auf diese Weise allseitig geschützt ist vor Stößen von außen und aufsteigenden Infektionen. Gleichmäßige Wärme wird rundum gespendet und der Embryo erfährt seine Schwerelosigkeit im Wasser.
Die nächste Hülle sind die Eihäute. Sie halten das Fruchtwasser als Einheit zusammen und hindern es am Auslaufen.
Die Gebärmutter umschließt das Kind als kräftiges Muskelpaket..
Als weitere Hülle legen sich, gut abpolsternd und aus der Stoffwechseltätigkeit Wärme spendend, die Eingeweide der Mutter, insbesondere die Darmschlingen um die schwangere Gebärmutter.
Ferner umschließt schützend das Ganze die knöchernde Umhüllung des mütterlichen Beckens.

Raumerlebnis
Im Verlauf der Schwangerschaft nimmt die Größe der Gebärmutter zu. Aber sie bleibt immer eine uns eng angepasste Hülle, die dem Kind Geborgenheit und Sicherheit schenkt.
Bei der Geburt fallen mit einem Schlage sämtliche Hüllen weg. Das Kind liegt plötzlich ungeschützt in einem großen Raum, der von kühler Luft, Helligkeit und oft von lärmender Unruhe erfüllt ist. Schutzlos ist das Neugeborene einer ihm völlig unbekannten Umgebung preisgegeben. Es strampelt sofort und führt lebhafte Bewegungen aus. Es beruhigt sich aber zugleich, wenn wir dem Neugeborenen wieder eine Hülle geben - wenn die Mutter es fest an sich drückt.

Wärme
Im Leibesinneren der Mutter haben wir eine Temperatur von 37 Grad. Im Kreißsaal besteht eine Temperatur von etwa 22 Grad. Diesem Temperaturschock von ca. 15 Grad wird das Neugeborene bei der Geburt unweigerlich ausgesetzt und zwar nackt. Es erschrickt, holt unwillkürlich tief Luft und schreit im darauffolgenden Ausatmen lauthals los.

Wasser - Luft
während der ganzen Schwangerschaft war das Kind von Wasser umhüllt. Jetzt, im Moment der Geburt wird sein Körper der Luft, ein für ihn fremdes Element ausgesetzt.

Dunkelheit - Helligkeit
Im Mutterleib ist es dunkel für das heranwachsende Kind. Was für ein neuer Eindruck, wenn es in die helle Welt hinein geboren wird! Man sollte darauf achten, dass während der Geburt das Licht gedämpft ist, so dass es für das Kind einen sanften Übergang gibt.

Atmung
Ein wesentliches Ereignis beim Geborenwerden ist, daß wir zum ersten Mal anfangen zu atmen. Als Embryo erhielten wir den Sauerstoff von der Mutter über die Nabelschnur. Jetzt, im Moment der Geburt entfalten sich die Lungen und das Kind atmet zum ersten Mal selbstständig.

Schwereerlebnis
Bisher erlebte das Kind die Schwerelosigkeit im Fruchtwasser und konnte sich mühelos bewegen und Purzelbäume schlagen. Nach der Geburt ist alles anders. Das Baby liegt ausgestreckt auf der Unterlage und kann lediglich die Arme und Beine bewegen.

Ein bekannter Raum, die Gebärmutter
Das Kind hört als Ungeborenes die beruhigenden Herztöne der Mutter, ihre Stimme wie auch die Stimme des Vaters oder der Geschwister. Wenn es nun geboren wird, ist es beruhigend für das Baby, wenn die Mutter zu ihm spricht. Ihre Stimme kennt das Kind.
Auch wiegende Bewegungen beruhigt das neugeborene Kind, denn auch dies ist ihm vom Mutterschoß her bekannt.

Wie können wir auf das Kind positiv und beruhigend einwirken?
Durch die Mutter-Kind-Kommunikation in der Schwangerschaft baut sich das bonding auf, die sog. Mutter-Kind-Bindung. Wir wissen heute, daß alles, was die Mutter denkt, fühlt und erlebt das Ungeborene in vollem Maße mitbekommt - positiv wie negativ. Leidet die Mutter z.B. unter Depressionen, so wird das Kind in kurzer Zeit auch traurig werden.
Alles das, was der Mutter widerfährt, wirkt sich auf das Kind aus. Das gilt auch während des Geburtsablaufes.
Deshalb ist es wichtig, daß die Mutter während der Geburt keine Angst hat, sich fallen lassen kann, Vertrauen zu sich und dem Personal hat, gelassen auf die Geburt zugeht. Ist die Mutter ruhig, so kann sie die Beziehung zum Kind, diese Interaktion zum Kind aufrechterhalten. Sie wird während der Geburt an ihr Kind denken, wie es ihm wohl jetzt geht, ihm Trost zusprechen, seine Bewegungen verstehen...

Wie können wir helfen, dass die Mütter angstfrei die Geburt erleben?
Wichtig ist dies vor allem für Hebammen und Ärzte.

  • gute Geburtsvorbereitung, Information, Fragen beantworten - die Frauen sollen Sicherheit bekommen. Nach Möglichkeit soll die Hebamme, die die Geburtsvorbereitung leitet auch die Geburt begleiten, (man lernt sich kennen, Vertrauensverhältnis). Evtl. Aufarbeitung von vorherigen Geburten
  • Den natürlichen Geburtsablauf unterstützen. Das Personal soll der Gebärenden Zeit lassen. Nicht drängen! Nicht nach einem bestimmten Schema ablaufen lassen! Ja nicht zu früh eingreifen!
    Frauen brauchen unterschiedlich lange. Die Seele muß mitkommen - manche brauchen                 Zeit, sich auf die Geburt einzulassen, das Kind loszulassen, zu den Schmerzen ja zu                      sagen... Niemals aus Ungeduld zu schnell eingreifen - auf die Psyche eingehen!
  • die Gebärende ernst nehmen in ihren Äußerungen.
  • Beruhigend auf die Eltern einwirken. Sicherheit geben. Anwesenheit des Personals, ständige Erreichbarkeit
  • es sollte gegenseitiges Vertrauen vorhanden sein
  • ermutigen! Das Selbstvertrauen der Gebärenden stärken. Die Frau bekommt das Baby!
  • Geduld und Verständnis, Einfühlungsvermögen, Gelassenheit, Zuversicht,
  • „die Atmosphäre des Heiligen“ nicht stören....Schweigen, gedämpftes Licht, keine Hektik und Unruhe!
  • Gebärende soll sich die Geburtsstellung aussuchen, die für sie am geeignetesten ist.
  • die Geburt leiten - das Paar sich nicht selbst überlassen. Handlungen und Entscheidungen erklären, so dass das Paar es nachvollziehen kann und einwilligt.
  • kleine Aufmerksamkeiten: Massagen, Zuspruch, zum Trinken geben, Musik einspielen...
  • Verängstigte Frauen liegen viel länger in den Wehen als innerlich gelassene Schwangere. Untersuchungen bestätigen: Diejenigen Frauen, welche die längsten Wehen beziehungsweise die unergiebigsten Kontraktionen hatten, waren oft Frauen mit folgenden Problemen: schwierige Einstellung zur Mutterschaft, belastete Beziehung zur Mutter, ständige Ängste, Sorgen und Befürchtungen. Diese Frauen haben häufig komplizierte Geburten. Andersherum: die Frauen mit den leichtesten Geburten haben am wenigsten widersprüchliche Empfindungen für das Mutterwerden, die wenigsten Konflikte mit ihren eigenen Müttern und waren überhaupt am wenigsten ängstlich.

    nach der Geburt:

  • Neugeborenes direkt der Mutter auf den Bauch legen, jede Mutter drückt ihr Kind an sich, streichelt es und spricht mit ihm (gibt ihm Sicherheit)
  • in warme Tücher einwickeln
  • Die Nähe zur Mutter gibt dem Kind Sicherheit. Es vernimmt die wohlbekannten Herzschläge, riecht den Geruch der Mutter, hört ihre Stimme.
  • Gerade in den ersten zwei Stunden nach der Geburt werden sowohl vom Kind wie auch von der Mutter Hormone ausgeschüttet, die das Mutter-Kind- bonding fördern.
  • Den Eltern Zeit lassen mit ihrem Kind ( nicht gleich wiegen oder baden)
  • Das Wunder der Geburt sollte aufgenommen werden.
  • Wenn es die mütterliche Brust sucht, Hilfe zum Stillen anbieten
  • Atmosphäre wahren. Keine Besucher, keine Hektik
    gedämpftes Licht

So kann die Geburt trotz der Schmerzen als sehr schön erlebt werden. Das ist wichtig für die Mutter-Kind-Bindung. Auch wirkt sich dies selbstverständlich auf das Neugeborene aus. Schon öfter habe ich in der Hausgeburtshilfe Zeugnisse von Frauen direkt nach der Geburt gehört wie: so möchte ich gerne noch mehr Kinder bekommen!
Neugeborene, die eine harmonische Geburt erleben durften, sind ruhiger in der Neugeborenenzeit. Das was sie erlebt haben prägt ihr Verhalten. Sie sind zufrieden und haben einen regelmäßigen Schlaf-Wachrhythmus.
Auch Väter bestätigen: zu diesem Kind habe ich gleich von Anfang an eine intensivere Beziehung!   

Wie wirken sich Geburtserlebnisse im späteren Leben aus?
Geburtserlebnisse beeinflussen uns sehr nachhaltig. Die Geburt ist ein Erlebnis, das unsere Persönlichkeit prägt.
Eine unkomplizierte Vaginalgeburt ist für die Gefühlsentwicklung des Kindes entscheidend.
Oftmals bedarf es nur der Geduld, damit die Geburt natürlich ablaufen kann. Leider wird häufig zu früh eingegriffen und es kommt zum Kaiserschnitt, zur Entbindung mittels der Geburtszange oder der Saugglocke.

Viele Geburten könnten ganz normal und harmonisch verlaufen, wenn die Ärzte und das Personal mehr auf den natürlich ablaufenden Geburtsvorgang eingehen würden. Man sollte das Selbstvertrauen der Gebärenden stärken, Einfühlungsvermögen aufweisen, der Frau Zeit lassen ihr Kind zu gebären, ihr durch eine ständige Anwesenheit Sicherheit vermitteln und sie vor allem in ihren Äußerungen ernst nehmen. Geduld und Verständnis öffnen das Vertrauen der Schwangeren zu sich selbst und zum begleitenden Personal und lassen eine unkomplizierte Geburt erwarten. Ob das Geburtserlebnis für Mutter und Vater schön oder beängstigend war, wird sich auf das frühe Bonding mit dem Kind entscheidend auswirken.

Kaiserschnittentbindungen (Sectio):
Das Kind wird innerhalb kürzester Zeit in eine ihm fremde, helle Umgebung geboren. Es wird gefasst von fremden Menschen. Eine grelle OP-Lampe strahlt es an.
Eine Langzeitwirkung von „Kaiserschnittkindern“ kann ein heftiges Verlangen nach jeglicher Art von Körperkontakt sein. Das läßt sich wahrscheinlich damit erklären, daß eine Kaiserschnittgeburt das Baby der sinnlichen Erlebnisse einer Vaginalgeburt beraubt - und zwar sowohl der Schmerzen als auch der Momente höchster Wonne. Diese sinnlichen Gefühle sind Vorläufer des Sexuallebens der Erwachsenen, und ein chirurgisch entbundenes Kind wird u.U. schwer über diesen Erlebnisverlust hinwegkommen.
Aus der Gebärmutter durch einen Bauchschnitt herausgehoben, wird dem Kind keinerlei Massage oder Liebkosung zuteil. Wenn dies nicht aufgearbeitet wird, können sich die Folgen manifestieren in einem übersteigerten Hunger nach Körperkontakt. Schwierige Geburten, vor allem Kaiserschnitt, Zangengeburt, Vakuum (Saugglocke), Steckenbleiben des Kindes etc. bedeuten Risiken für den Gefühls- und Sexualbereich. Wenn aber ein Kind in einer liebevollen Umgebung aufwächst, können solche Wunden heilen, es müssen dann keine Folgeerscheinungen auftreten.
WICHTIG: im Neugeborenen- und Kindesalter mehr Liebeszuwendung nötig zur Aufarbeitung. Diese Kinder müssen etwas nachholen. Wenn sie z.B. nachts unruhig sind sollen die Eltern das Kind in ihr Bett holen. Hier fühlt es sich sicher. Das ist keine Verwöhnung! Das Kind braucht diese Liebeszuwendung und Sicherheit der Eltern.

Häufig werden Geburtserlebnisse in Träumen bis ins Erwachsenenalter symbolisiert zum Ausdruck gebracht. Die Menschen haben diese Träume oft mehrmals, bis die Ursache aufgearbeitet wird.

Zwei Beispiele:
Ein 29 jähriger Mann erzählt einen Traum:  Ich bin in einen Keller geflüchtet, verfolgt worden, sämtliche Ausgänge waren versperrt. Dort fanden sie mich, legten mir eine Schlinge um den Hals und zogen mich heraus, daß ich bald erstickt wäre. Im letzten Moment kamen mir Leute zu Hilfe.

Nach einer Kaiserschnittentbindung: „Dann war da eine Burg, da war der Eingang zugeschüttet, ein Loch war da, aber es war so eng, daß ich nicht durch konnte, bekam keine Luft, Angst, Erstickungsgefühl. Die anderen mußten erst ein großes Loch machen, da kam ich dann leicht durch und hatte keine Luftnot mehr“.

Zangengeburt und Entbindung mittels Saugglocke (Vakuum)
Dreht sich ein Kind z.B. nicht korrekt in den Geburtskanal und bleibt es stecken, kann es notwendig sein, es mit einer Zange oder einer Saugglocke herauszuziehen. Dies bedeutet für das Kind einen Gewaltakt und kann innere und äußere Traumatas zur Folge haben wie z.B. Kopfverletzungen, lebenslange Kopfschmerzen/Migräne, Tumore, Blutergüsse, psychische Traumatas.

Eine 27 jährige Frau mit Zangenentbindung hatte immer wieder folgenden Alptraum:
Ich gehe durch eine Bahnhofsunterführung.... Ich habe furchtbare Angst, fang an zu laufen, meine Schritte werden immer lauter und knallender. Die Unterführung wird immer niedriger und enger, schließlich ist sie zu Ende, ich kauere mich hin, die Beine an den Leib gezogen, die Arme vor dem Gesicht. Ein Mann..... beugt sich zu mir herab und stößt mir ein langes Messer in den Kopf und in den Leib. Ich spüre den Schmerz der Stiche so deutlich, daß ich zu schreien anfange und aufwache.

Es gibt heutzutage interessante therapeutische Daten, die aufzeigen, daß nicht wenige Kinder, die mit Hilfe operativer Eingriffe auf die Welt gekommen sind, Schwierigkeiten haben, Entscheidungen zu treffen. Solche Kinder neigen dazu, um Hilfe zu bitten, auch wenn sie alleine zurecht kommen würden.

eingeleitete Wehen:
viel zu oft werden die Wehen zu früh eingeleitet. Was kann das für Folgen haben?
Durch das Hormon Oxytocin werden die Wehen mit Zwang erzeugt. Oft ist das ungeborene Kind wie auch die Seele der Mutter zur Geburt noch nicht bereit. Viele Frauen, bei denen die Geburt eingeleitet wurde, beschreiben diese Erfahrung als etwas, das man ihnen “zugefügt” hat. Häufig kommt der Satz: “man hat mit mir gemacht”. Sie empfinden es so, daß die Wehen nicht von ihnen ausgehen, sondern  von außen aufgezwungen werden. Als Folge davon haben sie nicht den Eindruck, sie unter Kontrolle zu haben und es ist für sie viel schwerer im Rhythmus mit den Wehen zu atmen und zu pressen. Die Mutter befindet sich nicht im Einklang mit ihrem Körper und ganz und gar nicht in Harmonie mit ihrem Baby. Ein positives Geburtserlebnis wie auch ein “Ich habe es geschafft” erleben jene Frauen nicht.  Später leiden sie oft unter Schuldgefühlen gegenüber ihren Kindern.
Das Baby, das noch gar nicht bereit ist, geboren zu werden, wird durch die künstlich erzeugten Wehen aus der Gebärmutter hinausgepresst, bekommt aber dabei nur wenig Hilfe von seiten der Mutter.
Häufig endet eine solche Geburt mit der Zange oder dem Vakuum.
Eine solche Geburt ist sowohl für die Mutter als auch für das Kind in höchstem Maße unbefriedigend. Ihnen beiden sind die Wehen aufgezwungen worden. Beide waren weder körperlich noch seelisch darauf vorbereitet. Sie konnten beim Geburtsvorgang nicht zusammenarbeiten. Dieser Mangel an Übereinstimmung während der Geburt verzögert oder erschwert eine Bindung zwischen Mutter und Kind.

Platzangst hingegen - Horror vor weiten Flächen und vielen Menschen, kann seine Ursache haben im Herausreißen des unreifen, noch geburtsunwilligen Kindes aus dem schützenden Mutterleib.

Nabelschnurumschlingungen
Durch Strangulationen der Nabelschnur, kann das Baby weniger Sauerstoff bekommen. Diese Kinder und Erwachsene bekommen häufiger Halsprobleme wie z.B. Schluckschwierigkeiten oder Sprachfehler. Auch Stottern kann eine Nabelschnurumschlingung zur Ursache haben. Manche können ihr Leben lang keinen Rollkragenpullover oder Halstuch tragen - sie haben das Gefühl, keine Luft zu bekommen.

Agoraphobie - die Angst vor großen weiten Plätzen - und Klaustrophobie - die Angst vor geschlossenen Räumen - sind Krankheitsbilder, die sich eindeutig auf natale und pränatale Ereignisse zurückführen lassen. Raumangst kann entstehen bei übermäßiger Überschreitung des Geburtstermins oder langandauernden Geburten mit Sauerstoffmangel und Steckenbleiben des Kindes im Geburtsweg. Die Folge kann eine krankhafte Scheu vor engen Räumen sein wie auch eine Behinderung der Atmung.

Frühgeburten:
Von einer Frühgeburt sprechen wir, wenn das Kind vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren wird oder weniger als 2500 Gramm wiegt. Es muß mehr oder weniger lange Zeit im Brutkasten verbringen, evtl. künstlich ernährt und beatmet werden. Neben der körperlichen Unterentwicklung sind vor allem die psychischen Folgen zu beachten. Dem Kind fehlt seine Mutter, eine Bezugsperson, die vertrauten Töne, der Körperkontakt, es hat Angst. Oft wochenlang ist es von seiner Mutter, bis auf wenige Stunden täglich, getrennt.

Wie groß der Anteil der Geburtsschäden bei psychisch Kranken ist, belegen Untersuchungen.
Bei 63 % der psychisch Kranken konnte man eine regelwidrige Geburt nachweisen.

Das Erleben nach der Geburt (postnatal)
Die Geburt ist für jeden Menschen ein existielles Erlebnis der Trennung sowohl von der Mutter, als auch von der intrauterinen Situation, die so ganz anders war als das Leben nach der Geburt. So ist der Geburtsakt ein Abschiednehmen von dem direkten körperlichen Verbundensein, aber auch ein Neubeginn und damit eine Chance.
Direkt nach der Geburt ist deshalb ein möglichst intensiver Kontakt mit der Mutter nötig. Das Kind hat sich im Mutterleib schon an seine Mutter gebunden, weil es sie kennt und sich von ihr geliebt weiß. Dieses bonding sollte unbedingt nach der Geburt fortgesetzt werden. Bei Hausgeburten ist dies selbstverständlich. Wir wissen heute, daß gerade in den ersten zwei Stunden nach der Geburt sowohl vom Kind wie auch von der Mutter Hormone ausgeschüttet werden, die das bonding (Mutter-Kind-Bindung) stimmulieren. Es ist ein Drama, wenn ein Neugeborenes zuerst gewogen und gemessen werden muß, bevor es die Mutter in ihre Arme schließen kann.
Untersuchungen bestätigen, daß sich eine Mutter stärker zu ihrem Kind hingezogen fühlt, wenn die Bindung direkt nach der Geburt weitergeführt wird, als wenn die Beziehung erst einige Stunden danach aufgenommen wird. Die Unterschiede werden fast sofort sichtbar. Binnen eines Tages liebkosen, küssen und halten die Frauen, die wir hier „Frühkontakt-Mütter“ nennen möchten, ihre Babys merklich mehr als die in der „Spätkontakt-Gruppe“. Viele Untersuchungen beweisen, daß ein, zwei und drei Jahre später die „Frühkontakt-Mütter“ immer noch aufmerksamer, begeisterter und fürsorglicher sind. Sie berühren die Kinder immer noch öfter, nehmen sie häufiger in den Arm und streicheln sie. Die frühe Bindung bringt der Frau und dem Kind einen wesentlichen Vorteil.
Um gefühlsmäßig, geistig und körperlich zu gedeihen, braucht das Kind in den ersten zwei bis drei Lebensjahren, und besonders vorgeburtlich - stetig Liebe und Zuneigung. Auch das Baby trägt seinen Teil zu dieser Bindung bei. Seine Hilflosigkeit, seine Unfähigkeit sich selbst zu ernähren, zu kleiden und zu beschützen, seine Laute, mit denen es sich mitteilt und sein Aussehen sind speziell dazu angetan, eine Reaktion der Liebe - und des Behütenwollens hervorzurufen.
Wenn eine Mutter ihr Neugeborenes zum ersten Mal sieht, wird sie bestimmt instinktiv die Arme ausstrecken, um es in den Arm zu nehmen. Das ist die natürlichste Reaktion auf der Welt. Ohne Liebe und das damit verbundene Ansich-Drücken und Liebkosen wird das Kind buchstäblich verkümmern und sterben. Diese Erscheinung wird als Marasmus bezeichnet. Im 19. Jh. starben mehr als die Hälfte der Säuglinge daran und bis in die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts waren fast 100 % aller Todesfälle in Findelhäusern darauf zurückzuführen. Diese Kinder starben, ganz einfach und krass ausgedrückt an Zärtlichkeitsmangel. Heute bezeichnen wir diese Kinder als entwicklungsgestört.
Wenn Babys in ihren ersten Lebenswochen längere Zeit isoliert auf Intensivstationen liegen, kann zwar die hochentwickelte Technologie alles für ein Kind tun - aber es kann es nicht in den Arm nehmen und ihm Liebe schenken.

Durch das Stillen intensiviert sich die Mutter - Kind- Bindung. Das Kind bekommt intensive körperliche Zuwendung, die Mutter nimmt sich für ihr Neugeborenes Zeit.

Auch die Liebe des Vaters zum Kind ist ganz genauso komplex und wichtig wie die der Mutter. Je früher die Väter Gelegenheit haben, ihre Babys zu sehen, desto engagierter und interessierter sind sie. Und sie freuen sich darauf, ihre Babys zu berühren, in den Arm zu nehmen und mit ihnen zu spielen. Väter, die bei der Entbindung dabei sein konnten, bestätigen, daß sie zu diesem Kind von Anfang an eine innigere Beziehung haben. Wie der Vater und die Mutter mit dem Kind umgeht - ergänzt sich einzigartig und trägt entscheidend zur körperlichen, seelischen und geistigen Entwicklung des Kindes bei.

Warum haben diese Erlebnisse oft lebenslängliche Auswirkungen?
Wenn man erst einmal für pränatale Schädigungen und traumatische Geburtsverläufe sensibel geworden ist, fragt man sich ernsthaft, wie ein Ungeborenes oder Neugeborenes so manche Bedrohung seiner Existenz überhaupt überleben kann, wenn doch die Erwachsenen mit ihrer viel größeren Ich-Stärke und vielerlei Abwehr-Strategien mit ernsthaften Problemen und Verletzungen nur schwer fertigwerden. Diese fundamentale Frage konfrontiert uns mit der Frage der Verdrängung und deren späteren Auswirkungen. Es stellt sich die Frage, welche Rolle die Verdrängung für das Überleben des Kindes und für den Ausbruch und den Verlauf der später möglichen  manifesten Erkrankungen spielt.

Der Begriff Verdrängung wird oft einseitig negativ verstanden, so als handle es sich um ein bewusstes Nicht-Wissen-Wollen, um ein Wegschieben der Probleme. Dieser Erfahrung begegnen wir häufig, vergessen aber darüber allzu leicht, daß Verdrängung unter bestimmten Umständen positiv zu bewerten ist. Für einen Embryo, einen Fötus und ein Baby jedenfalls, die von lebensbedrohlichen Schädigungen betroffen werden, hat sie lebensrettende Bedeutung. Ein Ungeborenes oder Neugeborenes hat noch kaum Verarbeitungsmöglichkeiten, mit denen es Einflüsse, die zur Lebensbedrohung werden können, bewältigen kann. Für das Kind ist Verdrängung ein Versuch, mittels seiner noch schwachen Ich-Kräfte die vernichtende Bedrohung aus seinem Wahrnehmungsbereich zu entfernen und damit zu bewältigen. Die Verdrängung ist hier Ausdruck des uns angeborenen Überlebenswillens und vitaler Überlebenskraft.
Aber was verdrängt wurde, ist nicht ausgelöscht, ist nicht gelöst. Im Gegenteil! Gerade diejenigen Ereignisse, die uns geschädigt, die uns in Lebensgefahr gebracht haben, sind in unserem Nervensystem und in dem von dem Trauma betroffenen Zellen und ihren Nachkommen gespeichert. Keine Zelle unseres Organismus, wo auch immer sie sich befindet, “vergisst” jemals eine Information, ein wesentliches Ereignis, das sie direkt betroffen hat. Selbst bei sehr frühen Speicherungen, bei denen es ganz sicher ist, daß noch kein Gehirn vorhanden war, das Informationen exakt gespeichert haben könnte, steht die Tatsache außer Frage, daß die Verletzungen gespeichert sind.
Wir halten fest, daß alle traumatischen Ereignisse, einschließlich während der Zeugung, in irgend einer Weise gespeichert werden und abrufbar sind. Traumatas bei der Zeugung durch z.B. Vergewaltigung und Gewalteinwirkung werden auch beim Kind mit in sein Leben einwirken......Nicht nur Gewalteinwirkungen, sondern auch jene Gefühlszustände, die die Mutter während der Zeugung empfindet wie Gleichgültigkeit, Verachtung des Partners, Angst, Verneinung einer Schwangerschaft.

Einerseits muß der Betroffene das schädigende Ereignis so weit aus seiner bewussten körperlichen und gefühlshaften Erinnerung herauszuhalten versuchen, daß er von innen her keine Bedrohung erfährt. Damit muß er allerdings Einiges seiner frühen, prägenden Lebensgeschichte leugnen und entfremdet sich zwangsläufig ein Stück weit von sich selbst. Andererseits werden Dinge und Ereignisse, die ihn in seinem späteren Leben an das ins Unbewußte abgeschobene Trauma erinnern, in ihm unerklärliche Reaktionen hervorrufen.

Schwerwiegende Schädigungen, die verdrängt werden mußten, um das Überleben zu sichern, belasten nämlich den ganzen Menschen, seinen gesamten Organismus wie seine Psyche und seinen Geist.
Diese Traumatas müssen aufgearbeitet und von Gott geheilt werden sonst führen sie unweigerlich zu Neurosen, Psychosen, zu einer psychosomatischen oder chronischen Erkrankung, zur psychosomatischen Unruhe, Schlaflosigkeit, zu undefinierbaren Bauchschmerzen, auffälliger Aktivitätsdrang. Besonders aber durch sich wiederholende Alpträume treten die verdrängten Inhalte immer wieder im Laufe der Lebensgeschichte zunehmend in das gegenwärtige Leben ein. Werden diese nicht aufgearbeitet, sind die Menschen in Gefahr, sich durch Alkohol, Drogen oder Medikamentenmissbrauch Ersatz zu suchen.
Wenn man um diese Traumatas weiß, sollte man vorbeugen und dem Kind viel Liebeszuwendung zukommen lassen. Durch Liebe und Geborgenheit heilt diese kindliche Seele von ihren Verletzungen.

Die  Folgen von traumatischen Erfahrungen treten nicht immer im vollen Umfang auf. Es kommt darauf an, was das Kind im Kleinkind- und Jugendalter erlebt. Positive Erlebnisse können heilende Wirkung haben und die Auswirkungen abschwächen.
Dem Menschen steht immer die Möglichkeit offen zu lernen, mit den zugefügten Verwundungen richtig umzugehen und sich dadurch nicht von dem jeweiligen Lebensgefühl bestimmen zu lassen.

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